Das war der DFC 2025 unter dem Thema „Zukunft unter Strom“- Energie im digitalen Wandel

Die IT Community Styria (ITCS) hat sich beim diesjährigen Digital Future Congress (DFC) einem Thema gewidmet, das nicht nur für die Wirtschaft von zentraler Bedeutung ist, sondern alle Bereiche unseres Lebens berührt: „Zukunft unter Strom – Energie im digitalen Wandel“. Dieses hochaktuelle Thema steht im Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten und ist in den Medien allgegenwärtig. Es betrifft nicht nur die Energieversorgung und -nutzung, sondern hat weitreichende Auswirkungen auf sämtliche Wirtschaftssektoren, die technologische Entwicklung sowie unser tägliches Leben.

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie Energie produziert, verteilt und konsumiert wird. Intelligente Netze, smarte Steuerungssysteme und datengetriebene Lösungen eröffnen neue Chancen für Effizienz, Nachhaltigkeit und Innovation. Gleichzeitig stellen diese Entwicklungen Unternehmen, Politik und Gesellschaft vor große Herausforderungen: Wie können wir die Versorgungssicherheit gewährleisten, den ökologischen Fußabdruck reduzieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit steigern?

Mit der Wahl dieses Themas unterstreicht die ITCS ihre Rolle als Impulsgeber für den digitalen Wandel in der Steiermark. Der DFC bietet eine Plattform, auf der Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gemeinsam über Lösungen diskutieren, Best Practices austauschen und neue Kooperationen anstoßen. Ziel ist es, die Region als Vorreiter für digitale Lösungen zu präsentieren und damit einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts zu leisten.

Elisabeth Konrad von SSI Schäfer begrüßte als Gastgeberin, Moderatorin und Mit-Veranstalterin rund 100 Gäste und zeigte sich erfreut über das große Interesse am Thema. Auch Florian Schneebauer, VP Product Line Software bei SSI Schäfer, hieß die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im hochmodernen Seminarzentrum herzlich willkommen und sprach über wirtschaftliche Abhängigkeiten insbesondere zwischen IT und Engergie.

Thomas Dietinger, Geschäftsführer der IT Community Styria, ging in seinen Begrüßungsworten unter anderem auf Parallelen zwischen Energie-Wirtschaft und IT-Branche ein, denn jede Branche benötigt Leistungen aus beiden Bereichen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Er ging auch darauf ein, dass der Strombedarf der IT-Branchen bis 2030 weiter steigen wird, da der Einsatz vieler IT-Komponenten, wie etwa Künstlicher Intelligenz, auch mit Energieverbrauch verbunden ist. Der effiziente Einsatz moderner Systeme und deren nachhaltige Ausrichtung sind daher wesentliche Aspekt in der IT-Branche wie auch beim Einsatz von IT bei Endkunden. In Thomas Dietingers Ausführungen wurde deutlich, dass Energie einer der kritischen Bestandteile der gesamten Wirtschaft ist.

Im ersten Vortrag unter dem Titel „Digitalisierung der Energienetze – Spagat zwischen Sicherheit und Effizienz“ erläuterten Rupert Schindler, Bereichsleiter IT und Digitalisierung, und Roland Bergmayer, Technischer Betriebsleiter Strom und Leiter zentrale Warte, beide von Energie Steiermark, unter anderem auf die Gründe dafür, warum Digitalisierung und IT für die Steuerung des Energie-Bereichs unumgänglich sind. Insbesondere für die kritische Infrastruktur, und damit auch die Energie-Netze, sind die Umsetzung von IT Security Maßnahmen sowie die zertifizierte Einhaltung der Vorgaben des NIS 1 und 2 Gesetzes zwei der wesentlichsten Element in der IT Strategie.

Roland Bergmayer berichtete aus der Praxis der Stromversorgung in der gesamten Steiermark, wie wichtig es ist, den Spagat zwischen Öffnen und Abkapseln der IT-Systeme zu schaffen. Einerseits müssen u.a. Konsumenten, die nunmehr immer öfter Prosumer sind, Zugang zu wesentlichen Informationen erhalten. Andererseits müssen sämtliche Systeme sicher und damit soweit möglich abgekapselt betrieben werden. Real Time Data Visibility, Peer-to-Peer Geschäfte und auch Grid Management müssen in den Systemen sicher und gleichzeitig offen zu Geschäftspartnern abgewickelt werden. Strikte System-Grenzen, abhängig vom Schutzbedarf der jeweiligen Systeme, ermöglichen es, diese Herausforderungen zu meistern.

Damit die Energiewende realisiert werden kann, muss auch die Netzführung weiterentwickelt und grundlegend erneuert werden. Aus einer über die Jahrzehnte gewachsenen „analogen“ Netzführung wird eine „digitale“ Systemführung. Damit die Energiewende bis 2030 gelingt, müssen rechtliche Rahmen geschaffen, umgesetzt und eingehalten werden. Technische Lösungen müssen realisiert und digitale Systeme geschaffen werden, die alle relevanten Aspekte berücksichtigen und abbilden. Nicht zuletzt bedarf es innovativer, gut ausgebildeter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Systemerfordernisse managen.

Auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) spielt im Energie-Umfeld eine bedeutende Rolle. Etwa, wenn es um Prognosen geht, die u.a. für die Netzsteuerung, den Einkauf wie auch den Verkauf von Energie eingesetzt werden. Deep Learning Modelle verarbeiten eine Vielzahl an Daten in kürzester Zeit, wenn möglich in Echtzeit, und ermöglichen es, zielgruppengerecht die jeweils relevanten Informationen darzustellen, auf volatile Änderungen zu reagieren und die Netzsteuerung zu optimieren.

Im Vortrag wurde deutlich, wie sensibel unser Stromnetz ist, welchen Herausforderungen sich die Energie-Netzbetreiber stellen müssen und wie sehr unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft auf ein innovatives und gleichzeitig stabiles sowie zeitgemäßes Management der kritischen Infrastruktur angewiesen sind.

Emilian Axinia, Director Industrial Sustainability bei COPA-DATA, widmete sich im darauffolgenden Programmpunkt dem Thema „Twin Transition: Wie das World Economic Forum den Rahmen für Wandel setzt“. Wandel findet auf vielen Ebenen statt, u.a. Klimawandel, Ressourcenknappheit, Lieferkettenveränderungen, demografischer Wandel, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung & Automatisierung.

Ziel des World Economic Forum (WEF) ist es, den Zustand der Welt zu verbessern, indem Wirtschafts-, Politik-, Wissenschafts- und andere gesellschaftliche Führungskräfte eingebunden werden, um globale, regionale und branchenspezifische Agenden zu gestalten.

2025 widmete sich das World Economic Forum dem Motto „2025: “Collaboration for the Intelligent Age”, 2026 wird “A Spirit of Dialogue” Titel der Veranstaltung sein. Netzwerken, Lernen und Mitgestalten sind Kernelemente der jährlichen Veranstaltung und ermöglichen den weltweiten Austausch mit innovativen Expertinnen und Experten in verschiedensten Fachgebieten.

Emilian Axinia erläuterte, dass der Twin Transition Ansatz die Verbindung digitaler Transition mit Sustainability Transition verfolgt. Durch den Einsatz von IT und Daten können Gesellschaft und Wirtschaft grüner und damit nachhaltiger werden. Beispielsweise ist es Studien zufolge möglich, ca. 20% Reduktion von Emissionen bis 2050 durch 33 digitale Anwendungsfälle in den Sektoren Energie, Materialien und Mobilität zu erzielen.

Einen weiteren Schlüsselfaktor auf dem Weg zur Dekarbonisierung stellt die Datentransparenz dar. Ergänzend bilden Datenflüsse das wichtigste Element für das Prinzip „Accelerated Digital and Data“. Laut WEF zählen weltweit 90% der Unternehmen zur Kategorie KMU, in Österreich sogar 99,7%. Ausgehend von all diesen Fakten sieht das WEG den Schlüssel zu Resilienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in der Lieferkette in der Unterstützung der Digitalisierung von KMU.

Während der anschließenden Kaffeepause nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, in entspannter Atmosphäre wertvolle Gespräche zu führen und ihr Netzwerk zu erweitern. An den eigens eingerichteten Thementischen standen renommierte Expertinnen und Experten der IT Community Styria wie Herwart Wermescher, Peter Luttenberger, Alexander Hehenberger, Andreas Wöhrer und Philipp Ghirardini für den fachlichen Austausch bereit und brachten ihre Expertise zu den jeweiligen Schwerpunkt-Themen ein.

Die Besucherinnen und Besucher konnten gezielt Fragen stellen, aktuelle Herausforderungen diskutieren und sich über innovative Lösungsansätze informieren. Dieser direkte Dialog mit Fachleuten aus der Praxis bot nicht nur tiefere Einblicke in die behandelten Themen, sondern eröffnete auch neue Perspektiven für zukünftige Projekte und Kooperationen. Die Kaffeepause entwickelte sich so zu einem zentralen Networking-Highlight des Nachmittags, das den Wissenstransfer und die Vernetzung mit und auch innerhalb der steirischen IT-Community nachhaltig förderte.

Im ersten Vortrag nach der Pause widmete sich Dr. Thomas Starzer, Senior Vice President Energy bei voestalpine Metal Engineering, dem Thema „Die Grüne Transformation – Herausforderungen in der Stahlindustrie – Pläne Status Realitäten unserer Reise zu Net Zero“. Die voestalpine ist als weltweit führender Stahl- und Technologiekonzern unter anderem Weltmarktführer bei Bahninfrastruktursystemen und Spezialprofilen. Der Konzern bekennt sich zu Klimazielen und verfolgt mit greentec steel einen klaren Plan zur Transformation der Stahlproduktion und damit Klimaschutz im Großformat.

Auf dem Weg der voestalpine in eine Grüne Zukunft stellt die Errichtung von Elektrolichtbogenöfen in Linz und Donawitz Meilensteine dar. Die damit verbundene Reduktion des enormen Verbrauchs fossiler Brennstoffe soll bis 2029 eine Reduktion der CO2-Emissionen um 30% (Scope-1- und Scope-2-Emissionen gegenüber dem Referenzjahr 2019) bringen. Mit der weitere Ablöse klassischer Hochöfen in Linz und Donawitz soll bis 2050 das Ziel Net-Zero-CO2-Emissionen erreicht werden.

Die Transformation der Metallurgie in Donawitz bedingt auch steigenden Energie- und Strombedarf. Gleichzeitig entfällt durch die Stilllegung der Hochöfen die Nutzung der Strom-Eigenproduktion. Die Deckung des zusätzlichen Strombedarfs wird teils durch erneuerbare Energie wie PV oder Windkraft erfolgen, wobei für diese Deckung des zusätzlichen Energie-Bedarfs auch Maßnahmen im Bereich der Stromnetze notwendig sind. Auch die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen stellt einen zentrale Frage auf dem Weg der grünen Transformation dar. Und auch hier ist die Umsetzung von damit verbundenen strategischen Infrastrukturprojekten eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Transformation.

Stefan Mussger, Geschäftsführer bei EG Austria, ging im abschließenden vierten Vortrag auf das Thema „Energie teilen, Zukunft gestalten“ ein. Der österreichische Energie-Bereich steht unter Druck. Österreich will bis 2040 klimaneutral sein. Energiegemeinschaften (EG) sind ein neues, gesetzlich verankertes Modell, den Weg zur Klimaneutralität zu bestreiten. Energiegemeinschaften ermöglichen es allen Teilnahmeberechtigten, Energie gemeinsam zu erzeugen, zu nutzen, zu speichern und zu teilen. Die rechtliche Grundlage der aktuell ca. 9.200 EGs stellen folgende Gesetze dar: Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG, 2021) und Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG 2025).

Neben rechtlichen und regulatorischen Herausforderungen, wie fehlenden system-, netz- und sozialdienlichen Regularien bzw. uneinheitlichem, verzögertem Datenzugang, müssen auch technische und organisatorische Aspekte bewältigt werden. Beispielsweise verursacht die gesetzlich vorgeschriebene Abrechnung auf Basis der Viertelstundenwerte große Datenmengen, die von IT-Systemen sicher und rasch verarbeitet werden müssen. Eine weitere Herausforderung stellt der Datenaustausch dar, da unterschiedliche netzbetreiber-Systeme angebunden werden müssen und aktuell kein standardisierter Datenaustausch möglich ist. Diese Beispiele zeigen, dass auch im Bereich der Energiegemeinschaften IT eine zentrale Rolle spielt, um die komplexe Situation zu managen bzw. Prognosen zu erstellen

In vielen Branchen stellen die Stromkosten einen der größten Hebel dar, Energiekosten zu senken. Gemanagte Energiegemeinschaften haben somit hohe Relevanz für Unternehmen und bieten Potenzial, Energiekosten zu senken sowie Dekarbonisierung und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Planungssicherheit durch stabile, transparente Tarife und die Unterstützung der Wertschöpfung in der Region stellen weitere Aspekte dar, die aus Sicht vieler Unternehmen für Energiegemeinschaften sprechen.

Im Anschluss an die spannenden Vorträge boten die Themeninseln wieder eine ideale Gelegenheit, um in kleinerem Rahmen weiter zu netzwerken, Ideen auszutauschen und vertiefende Diskussionen zu führen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die entspannte Atmosphäre, um Kontakte zu knüpfen und neue Impulse für zukünftige Projekte mitzunehmen.

Die Veranstaltung fand ihren Ausklang bei köstlichem steirischen Fingerfood und einer Auswahl an regionalen Getränken, die den Abend in angenehmer und geselliger Stimmung abrundeten. Doch mit dem Ende eines Events beginnt bereits die Planung des nächsten: Die IT-Branche entwickelt sich rasant, laufend entstehen neue, spannende Themenfelder. Diese bieten uns die Chance, den Wirtschaftsstandort Steiermark – insbesondere die Softwareindustrie – weiterhin nachhaltig zu stärken. Durch innovative Ansätze und eine exzellente Digitalisierung wollen wir die gesamte Region noch schneller voranbringen und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und beim nächsten DFC 2026 wieder spannende Einblicke geben.